Designer
Jonathan Anderson // JW Anderson

Als Chef seiner gleichnamigen Marke und seit 2013 künstlerischer Leiter von Loewe ist Jonathan Anderson einer der erfolgreichsten Schöpfer seiner Generation. Der kunstinteressierte und modebewusste nordirische Designer ist heute einer der interessantesten Persönlichkeiten der Branche. Ein Treffen. 

 

Monnier Frères: Als Sie jünger waren, wollten Sie Schauspieler werden. Wie kam es dazu, dass Sie sich letztendlich der Mode gewidmet haben?

Jonathan Anderson: Ich war schon immer daran interessiert, Dinge zu erschaffen, schon in meiner Kindheit. Anfangs war es eine schrittweise Veränderung. Es war nicht wirklich geplant. Ich denke, es wurde etwas konkreter als ich mit dem Studium am London College of Fashion begann.

 

MF: Wie hat Ihnen die Zusammenarbeit bei Prada mit Manuela Pavesi geholfen, Ihre Vision zu verwirklichen?

J.A.: Manuela war unglaublich. Sie hatte einen perfekten Sinn für Stil, der jeden beeindruckte. Sie gab mir einen der besten Ratschläge, den mir jemand in meinem Berufsleben je gegeben hat: niemals Kompromisse eingehen. Seitdem versuche ich bei jeder Kollektion, diesen Ratschlag zu befolgen.

 

MF: Bei Loewe und JW Anderson setzen Sie sich dafür ein, Platz für Kunst zu schaffen und haben sogar einige Skulpturen und Gemälde für Ihre Läden gekauft, um den Kunden die Möglichkeit zu geben, sie zu bewundern. Ist es Ihnen wichtig, dass Mode und Kunst einander so nah sind?

J.A.: Für die letzte JW Anderson Show in London haben wir eine Installation von Liz Magor, einer kanadischen Künstlerin, in der Mitte des Raumes platziert. 

Sie sagte etwas sehr Interessantes über dieses Werk, bezüglich der Art und Weise, wie es uns erlaubt zu erforschen, wie wir die Dinge beobachten. Ich denke, dass Kunst die Art und Weise beeinflussen kann, wie wir Mode betrachten. Außerdem habe ich mich schon immer für zeitgenössische Kunst interessiert, daher liegt es nah, sie in meine Kollektionen zu integrieren.

 

MF: Sie haben einmal gesagt, dass Sie Objekte mehr als alles andere lieben. Sehen Sie Ihre Kreationen eher als Objekte als als Kleidung an?

J.A.: Ich denke Kleidung zählt auch zu Objekten, oder? Kleidung ist etwas, nach dem wir streben und das wir erleben können. Und sie ist der Kern der Schöpfung. Mal von Hand, mal maschinell.

 

MF: Indem Sie Kunst und Mode näher zusammenbringen und Modelle für Männer und Frauen, aber auch für verschiedene Zielgruppen (JW Anderson, Loewe, Uniqlo und sogar Topshop) entwerfen, haben Sie gezeigt, dass Mode sehr dynamisch sein kann. Was ist Ihre Motivation hinter dieser Diversifikation?

J.A.: Ich möchte schöne Kollektionen entwerfen, aber ich möchte auch, dass Menschen, die nicht Tausende von Euro für Kleidung zur Verfügung haben, etwas besitzen können, in dem sie sich schön oder zumindest wohl fühlen.

 

MF: JW Anderson begann als Herrenmarke. Inwiefern unterscheidet sich das von Frauenkreationen?

J.A.: Ich trage jeden Tag eine ziemlich einfache Arbeitskleidung. Ein Uniqlo-T-Shirt und ein dunkler Pullover. Ob ich nun für Männer oder Frauen entwerfe, versuche ich stets, mich selbst zu projizieren. Ich denke dabei an den Mann und was ich auf der Straße tragen möchte. Und offen gesagt ist es das gleiche Prinzip für Frauen.

 

MF: Sie waren im Jahr 2013 mit Ihrer Herbst-Winter-Kollektion 2019 einer der Pioniere der Unisex-Mode. Wie hat sich dieses Segment seitdem entwickelt?

J.A.: Ich glaube, dass viele Marken darüber sprechen, dennoch scheinen ihre Versuche nicht sehr authentisch zu sein.

 

MF: Sie haben seit Ihrem Beginn viele It-Bags entworfen. Wussten Sie als Sie sie entworfen haben, dass Sie Erfolg haben werden?

J.A.: Es ist einfach unglaublich. Manchmal weiß man es und boom wird es zu einem großen Erfolg. Manchmal ist es etwas langsamer, mit einer Dynamik, die allmählich zunimmt. 

Und manchmal denkst du, dass auf jeden Fall Erfolg haben wird, obwohl es letztendlich trotzdem einfach nicht funktioniert. Das kann passieren. Ich versuche, aus diesen Momenten zu lernen.


MF: Heute beschweren sich viele Designer über den Takt der Mode. Sie entwerfen mehrere Kollektionen für JW Anderson und Loewe und kreieren mehrere Kooperationen pro Jahr. Wie finden Sie sich zurecht?

J.A.: Ich fange weit im Voraus an zu arbeiten. Mein Zeitplan ist auf ein Jahr angesetzt, das ist der einzige Weg, es zu schaffen. Ja, ich arbeite sehr hart und ununterbrochen, aber andererseits läuft es auch wie geschmiert und das macht den Unterschied. 

 

MF: Wie schafft man es, so viel zu schaffen, so viele verschiedene Kunden zu erreichen und trotzdem seinem Stil und seiner Identität treu zu bleiben?

J.A.: Ich habe jeden Tag so viele Ideen. Tatsächlich ist es schwieriger, auszuwählen, welche verfolgt werden sollen, als auf neue Ideen zu kommen.

 

 

Marine Poyer

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