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Marie Deroudilhe

Seit 20 Jahren verzaubert der erlesene Stil der Innenarchitektin Marie Deroudilhe die französische Hauptstadt. Ein Treffen.  

 

MONNIER Frères: Was waren Ihre Anfänge?

Marie Deroudilhe: Ich habe mit einem klassischen Architekturstudium an einer Ingenieurschule in Straßburg begonnen. Dann ging ich nach London, um meinen ersten Job zu suchen. Nach 2, 3 kleinen Büros wurde ich von Terence Conran eingestellt, das Design, Innenarchitektur, Handel und Gastronomie kombiniert.

 

MF: Haben Sie immer schon gewusst, dass Sie Innenarchitektin werden würden?

MD : Meine Mutter hatte schon immer eine Gespür dafür, unsere Häuser und Wohnungen einzurichten und wir hatten auch schon immer Zeitschriftenabonnements.... Daher lag die Idee ziemlich nah. Ich habe mich zunächst auf ein Ingenieurstudium vorbereitet. Allerdings merkte ich währenddessen schnell, dass ich keinen Spaß daran hatte. Sobald mir dieser Job angeboten wurde, wurde mir bewusst, dass ins Detail zu gehen, Geschichten in Innenräumen zu erzählen und auf Baustellen zu sein, die sich ständig ändern, perfekt für mich sein würde.

 

MF : Wie wählen Sie Ihre Projekte aus?

MD : Ich wünschte ich könnte meine Projekte auswählen! Generell fokussieren wir uns auf Projekte, die uns direkt erreichen und die dadurch eine Art Verbindung schaffen, denn Mundpropaganda bringt Gefühle zusammen und Menschen, die zu uns kommen, mögen, was wir tun: diese etwas feinfühlige Seite, ein Hauch von Modernität, Sanftheit, der Fokus auf Licht usw.... Wir haben das Glück, von Menschen angesprochen zu werden, die uns vertrauen und die eine Vision haben, die uns nahesteht.

 

MF : Wie sieht ihr Arbeitsprozess aus?

MD : Es gibt eine Vorgehensweise, die meiner Meinung nach der von Modedesignern ähnlich ist. 

Am Anfang ist da das Briefing, die Wünsche des Kunden, die Funktionalitäten, wie er den Platz nutzen möchte.... Danach gibt es eine lange Phase der Inspiration. Zwischen Design und Mode arbeiten wir unter diesem Gesichtspunkt alle ein wenig ähnlich: Wir können uns von einem Kunstwerk oder einem Material inspirieren lassen.... jedoch sind wir beschränkt in Bezug auf Budget und Machbarkeit. Man muss generell von der sehr, sehr kurzen und freien Zeit der Inspirations- und Kreationsphase profitieren.


MF : Wenn Sie Dinge entwerfen, setzen Sie dabei eher auf Funktionalität oder Design?

MD : Wir legen natürlich großen Wert auf Funktionalität. Denn wenn man ein Objekt für die Gastronomie beispielsweise entwirft, bedeutet das, dass eine Person es trägt: Es darf nicht zu schwer sein, es muss stabil sein.... die Person wird dies 20 Mal am Tag tun, also müssen wir an genau diese Dinge denken.

 

MF : Sie arbeiten viel mit der Gastronomie zusammen…

MD : Ja, wir haben eine gute Mischung aus Wohn- und Gewerbeprojekten und vor allem Gastronomieprojekte. Das hängt vor allem mit meiner ersten Erfahrung bei Conran zusammen, die es mir ermöglichte, einen Job zu bekommen, bei dem ich eine ganze Weile blieb: Ich hatte die Möglichkeit, fünf Jahre lang für den Designer Patrick Jouin zu arbeiten, der viele Restaurants für Alain Ducasse entwarf und es auch immer noch tut. Ich war für 3, 4 Projekte verantwortlich, die ich durchgeführt habe, und konnte so eine fundierte Erfahrung in diesem Bereich aufbauen. Als ich begann, kontaktierten mich anfangs viele Wohnimmobilien und viele junge Agenturen, aber eben auch Gastronomen. Mein Dank gilt vor allem Alain Ducasse, der mir Kontakte zu Projekten schickte, die kleiner waren als die, die Agenturen wie die von Patrick Jouin durchführen konnten.

 

MF : Die Gastronomie scheint ein Bereich zu sein, der sich stark entwickelt hat…

MD : Als ich vor zwanzig Jahren bei Conran anfing, war er einer der Pioniere im Restaurantdesign. Als er mit dem Geschäft begann, war es ihm wichtig, eine Harmonie zwischen dem, was auf dem Teller steht und dem, was sich im Inneren des Ortes befindet, zu schaffen. Heute ist das alles viel verbreiteter. Man fotografiert den Teller genauso oft wie den Sessel, die Samtbank... Die Gastronomie ist wirklich sehr in Mode gekommen: Die Leute wollen neue Köche entdecken, kochen, gute Produkte kaufen... Heute passiert es selten, dass Gastronomen oder Geschäftsleute ein Restaurant eröffnen, ohne einen Architekten oder Designer zu engagieren, um eine Atmosphäre zu schaffen, die deren Geschichte erzählt.

 

MF : Woran arbeiten Sie aktuell?

MD : In drei Wochen eröffnen wir ein neues Restaurant mit einem Koch, der sich Christophe Saintagne nennt. Er besitzt bereits ein Restaurant im 17. Arrondissement, Papillon, und er hat vorher bei Meurice gearbeitet, ein Restaurant mit drei Sternen. Er eröffnet nun sein zweites Restaurant nicht weit von der Metro Châtelet im 1. Arrondissement, was Pique-Nique heißen wird.

MF : Erinnern Sie sich an Ihr erstes Projekt?

MD : Ich erinnere mich sehr gut daran.... weil es das einzige Projekt ist, das ich mit meinem Freund gemacht habe! Es war gut, es ist uns gelungen, aber wir möchten es nichtwiederholen! Es handelte sich um einen kleinen Friseursalon in der Rue Madame im 6. Arrondissement, der immer noch existiert und in diesem Jahr zehn Jahre alt wird. Françoise, die Friseurin, hatte zwei Jahre lang zu Hause gearbeitet, bevor sie die passende Adresse fand. Somit haben wir ihr ein kleines Zuhause nachgebaut mit einem Pariser Wohnzimmer zum Schneiden und einer komplett gefliesten Küche für die Kolorationen.

 

MF : Das Projekt auf das Sie am meisten stolz sind?

MD : Das ist eine schwierige Frage! Es gibt mehrere, darunter der kleine Teesalon Lily of the Valley im Marais, den wir mit 3 Franken und 6 Cent gemacht haben und somit viel Aufsehen erregt haben. Es ist eines der beliebtesten Projekte im Internet. Dinge zu tun, die wenig Mittel, wenig Platz und wenig Zeit haben, ist eine Herausforderung. Wir haben einen grandiosen Einfall gehabt: Blumenbänder und eine verspiegelte Decke, die den Raum optisch vergrößert. 

Aber auch das Restaurant Nomicos im 16. Arrondissement, bei dem ich eine sehr moderne Projektanfrage, aber auch eine carte blanche hatte, zählt dazu. Es musste vom Mittelmeer inspiriert sein. Ich glaube, das war eines der wenigen Male, wo wir uns wirklich ausgetobt haben, ohne aufzupassen. Das ist jedoch auch der Vorteil von öffentlichen Plätzen: man ist nicht in der Privatsphäre einer Familie, sondern man kann etwas verrückter werden. Wir haben große architektonische Formen entworfen und das mit moderner Kunst kombiniert... Es ist ein Projekt, das mich gut widerspiegelt. Es ist ein wenig abstrakt.

 

MF : Welches Projekt hätten Sie gerne entworfen ?

MD : Die Designs von Charlotte Perriand, insbesondere der Tisch « Forme Libre » und den Sitz der Parti Communiste in Paris.

 

MF : Ihr Lieblingsaccessoire?

MD : Meine Uhr, die meiner Mutter gehörte und die sie mir vermacht hat. Ich kann nicht ohne eine Uhr auskommen. Für viele Leute wird alles mit dem Handy gemacht, aber ich weiß nie, wo meins ist. Als es in der Reparatur war, habe ich mich dabei erwischt, wie ich auf das leere Handgelenk blickte. Wir sind alle immer sehr gestresst, haben busy Karrieren oder Kinder zu managen, daher ist eine Uhr Pflicht.

 

MF : Erinnern Sie sich an Ihr erstes Accessoire?

MD : Da gab es einige! Ich gebe am meisten Geld für Schuhe und Taschen aus, der Rest kann gerne von H&M sein. Ich glaube von meinem ersten Gehalt habe ich mir ein Paar Miu Miu Stiefel gekauft. Sie waren flach, ein bisschen Courrèges, aber mit einer verbeulten Gummisohle – absolut futuristisch. Somit war es unmöglich, sie neu zu besohlen. Ich habe sie getragen, bis sie keine Sohle mehr hatten.

 

MF : Ihre drei Lieblingsadressen in Paris?

MD : Der Teesalon Lily of the Valley, um dort einen Tee und ein leckeres Stück Kuchen zu verkosten. Die Design Boutique des Centre Georges Pompidou für Geschenkideen. Das Restaurant Nomicos für eine Reise ans Mittelmeer.

 

MF : Tasche oder Schuhe?

MD : Schuhe. Weil ich so erzogen wurde. Meine Mutter hat mir immer gesagt: du kannst verknitterte Kleidung von Monoprix tragen, aber solange du schöne Schuhe hast, liegst du niemals falsch. Das ist bei mir hängen geblieben. Und außerdem habe ich in meinem Job immer drei Tonnen an Sachen, die ich mit mir herumtrage, darunter Proben, Ordner, Laser Entfernungsmesser… daher ist es mit einer kleinen Handtasche meist schwierig.

 

MF : Flache oder hohe Schuhe?

MD : Eher flach, um überall hin zu laufen!

 

 

 

Marine Poyer

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